Bonjour – Ja, Hallo! Willkommen am belle âme, wir sind ein Real Life RPG das in Paris, der Hauptstadt von Frankreich, spielt. Da Paris aber so unfassbar riesig ist, beschränken wir uns aktuell auf sechs Arrondissements. Dabei haben wir die Stadtteile natürlich so unterschiedlich wie möglich ausgewählt, damit auch für so ziemlich jedes Charakterkonzept hier ein Zuhause gefunden werden kann. Ewig lange Steckbriefe sind out, deswegen werden bei uns ein paar Profilfelder inklusive Interviewfragen ausgefüllt. Klingt unkompliziert – ist auch tatsächlich so. Worauf wartest du also noch? In Paris gibt’s viel zu entdecken und ob du deinen Charakter über die Touristen schimpfen lassen willst oder einen Zugezogenen spielst, der gerade noch die rosarote Paris-Brille aufhat – die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Ach, nicht zu vergessen: Wir spielen nach dem Prinzip der Szenentrennung, L3S3V3 und alles findet im Jahre 2021 statt. Corona? Nie davon gehört.
12.02.2021 • Vom 12.02. - 14.02. findet unser Postingmarathon statt!
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V
Jule

Jule & V kümmern sich bei Fragen und Problemen gerne um deine Wehwehchen.
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Inplay-Info » Spieljahr: 2021
Kalender
Aktuell bespielen wir Januar und Februar des Jahres 2021 - bevor du fragst: wir bespielen eine alternative Realität ohne die Covid 19-Erkrankung. Andere historische Ereignisse haben jedoch - falls nicht explizit ausgeschlossen - stattgefunden und sind daher für das Forum von Relevanz. Die aktuellen Inplay-Monate sind noch bis mindestens 08. Juli 2021 bespielbar.
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I struck a match and blew your mind
Es gibt viele verschiedene Bezeichnungen, mit denen Maëlys sich beschreiben lässt: Sonnenkind, Lieferdienst-Abonnentin, schlechte Tochter, Im-Regen-Tänzerin, [...] - doch keine scheint dem dunkelhaarigen Wirbelsturm gerecht zu werden, der seit nunmehr 25 Jahren das Leben derer unsicher macht, mit denen sie sich umgibt. Maëlys kann man nicht lieben, ohne sich gleichzeitig dauerhaft um sie und ihren Lebensstil zu sorgen - und gleichzeitig kann man sie nicht hassen, ohne dabei gleichzeitig doch ein Bisschen wie sie sein zu wollen. Scheinbar unbesorgt tänzelt Maëlys über ein Minenfeld aus Verpflichtungen und Ansprüchen, Unsicherheiten und Ängsten. Irgendwo dazwischen der bittere Beigeschmack dessen, was sich ein verantwortungsbewusstes Leben nennt. Die Lösung? Lachen, Tanzen, Menschen um sich herum ansammeln, die ähnlich orientierungslos sind; Menschen, denen man die Version von sich selbst verkaufen kann, die einem am Besten gefällt. Die beste Version von Maëlys? Wenn man sie fragt, ist es nicht die, die bei den kleinsten Unsicherheiten in Tränen auszubrechen droht, die lieber von der Oberfläche verschwindet, wenn die Dinge zu ernst werden. Sondern die, die schon irgendwie alles hinbekommt. Die, die nicht den Großteil ihres Einkommens für Zigaretten, Alkohol, Gras und ranzige Pastagerichte ausgibt. Sondern die, die sich an die Ratschläge hält, die sie selbst verteilt. Die nicht nur preached, sondern auch practiced. Die regelmäßig ihre Therapiesitzungen besucht und in ernsten Gesprächen nicht früher oder später darauf ausweicht, Songtexte zu zitieren, weil es zu anstrengend ist, sich selbst zu reflektieren. Nein: Maëlys hat keine Probleme. Jedenfalls nicht solche, die nicht durch ein selbstüberzeugendes Lächeln und einen guten Song wieder verschwinden würden... nein, wirklich nicht.
28 Jahre alt
1,56m groß (zierlich)
Audio Engineer
Gomez, Selena
Gespielt von Jule




I struck a match and blew your mind

   Maëlys Bernard   Léon Lazard
am 12.02.2021

Eine aufgebrachte Maëlys stiefelt nachts ohne Handyakku orientierungslos durch ihr Wohnviertel - und trifft dabei auf Léon.


Weißt du ... vielleicht bist du auch verfickt nochmal ... - Stille am anderen Ende der Leitung. Dass etwas nicht stimmte merkte Maëlys selbst dann noch, als der verbale Wutanfall seinen Höhepunkt erreicht hatte: das Dauerrauschen war verschwunden. Fuck! mit einem lauten Ausruf und dem nicht vorhandenen Akkustand ihres iPhones nahm der Schwall an beleidigenden Telegram-Nachrichten und Hasstiraden ein Ende.
Eine angezündete Zigarette später waren das Problem und die Schmerzen nicht verschwunden, sie waren auch nicht kleiner geworden, aber durch den Rauch in ihrer Lunge wirkte die Sache so viel deutlicher als zuvor. Und irgendwo in ihrem Hinterkopf hörte sie die mahnende Stimme der Gesellschaft, dass eine Dame Konflikte nicht mit Beleidigungen löste sondern vermutlich mit einem hübschen Kleidchen oder einer selbstgebackenen Schwarzwälder Kirschtorte oder optimalerweise vermutlich mit Beidem in Kombination.

Maëlys konnte nicht backen. Und es war Mitte Februar.
Bekannterweise ein Bisschen zu kalt für 'n Kleidchen.
Na ja, nicht überall - aber zumindest hier in Paris.

Der Ort zum Nachdenken wurde die erstbeste Straßenlaterne. So ziemlich das einzige, was in ihrer Heimatstadt noch Licht in die Nacht warf. Keiner, der ansatzweise bei Verstand war, war doch unter der Woche noch um halb drei morgens wach. Na ja - sagte die Gesellschaft. Keine verdammte Menschenseele auf der Straße, der sie mal eben flink das Handy entreißen konnte (natürlich mit Erlaubnis, leihen nannte sich sowas), um die ganze schiefgelaufene Sache doch noch irgendwie in die die rechten Bahnen zu lenken. Niemand da, dem sie spontan in einem wirren Anfall von Sprechdurchfall ihr komplettes Leben runtererzählen konnte. Wie nervig alles war und wie unfair und überhaupt. So viele Worte in ihrem Kopf, so wenig Möglichkeit, sie loszuwerden. Eine Straßenlaterne war kein würdiger Gesprächspartner; sie eignete sich nur gut dazu, sich an sie anzulehnen und über die nächsten Schritte nachzudenken - in was für'n Viertel hatten ihre wütenden Schritte sie getragen? Ja, fuck, hätte sie jetzt nur ihr Handy, hätte sie es klüger genutzt als auszurasten, dann hätte sie jetzt vielleicht sowas wie Google Maps oder Apple Maps oder welche App auch immer sich gerade als erstes öffnen wollte.

Irgendwo dahinten ging ein Licht an, und wie automatisch trugen Maëlys Beine sie in dessen Richtung, unglaublich, jemand war noch wach, oder wieder wach, oder was auch immer, aber dieser jemand hatte hoffentlich ein Telefon oder ein ... Stadtkartenverzeichnis oder wie auch immer man den Scheiß damals genannt hatte. Maëlys stolperte über irgendeinen Ast und fluchte, und so ganz mittendrin kam ihr die Idee, dass man sich nachts vielleicht doch besser nicht direkt durch den Garten eines Mehrfamilienhauses schlängeln sollte, machte aber nichts, da hatte sie im Vorhang einen Schatten erspäht, da war also tatsächlich jemand auf den Beinen, und wie das mit Mai eben so war, brannten bei ihr alle Sicherungen durch, wenn sie einen Plan gefasst hatte.

Ja, gut. Wenn's schon komisch war, nachts bei irgendwem durch den Garten zu stolpern, war's vermutlich noch komischer, einfach die Treppen auf den Balkon zu nehmen (Erdgeschosswohnung, Treppen - wie dekadent?!) und erst mal 'nen bisschen zu linsen, bei wem man da gleich einfach mal nachts klingeln würde ... so ... na ja, zumindest der Plan.

Ein Kreischen und Fauchen waren es, die Mai aus der Fassung brachten, noch bevor der wackelige Untergrund es tun konnte - holy shit, war sie gerade einer Katze auf den Schwanz getreten? Todsünde - scheiße, fuuuck - oh Gott, sorry, sorry, SORRY! Keine Ahnung, ob das an das Tier gerichtet war, das schneller in die Nacht entschwand, als Maëlys ihm hinterherschauen konnte - oder an den Anwohner der Wohnung, der, wenn sie Pech hatte, jetzt erbarmungslos an einem Herzinfarkt sterben würde.
Dann wäre Maëlys 'ne Mörderin. Damn, nicht sehr damenhaft.

Léons Gesicht mag dir nicht unbedingt bekannt vorkommen, aber seine angenehme Stimme wird dich vermutlich schon durch ein paar Abende oder einsame Nächte begleitet haben - vorausgesetzt du gehörst zu den Menschen, die hin und wieder mal das Radio einschalten. Vielleicht bist du auch eine der 'einsamen Seelen', die ihm in seiner Late-night-call-in Show ihr Herz ausgeschüttet oder einfach Trost in der Illusion gefunden hat, dass eine Stimme aus dem Radio in der Anonymität und Intimität der Nachtstunden nur zu dir zu sprechen scheint. Und vielleicht bist du etwas überrascht, wenn du ihn zum ersten Mal triffst - darüber, dass er kein sogenanntes "Radiogesicht" hat und darüber, dass er dir nicht mehr scheinbar mühelos einen vom Pferd erzählt. Léon kann gegen seine "On Air"-Persona geradezu still wirken. Nicht auf die distanzierte Art, eher auf die, bei der du dich gerne mal dabei erwischt, dass du ihm mal eben ganz wie von selbst deine halbe Lebensgeschichte erzählt hast. Immerhin besser, als ihm fast mitfühlend eine Hand auf die Schulter zu legen und ihm damit einen kleinen, metaphorischen Schubs in Richtung 'friendzone' zu geben. Oder ihn um halb vier Uhr morgens anzurufen, weil du wusstest, dass er dich schon abholen wird - von der Landstraße im Nirgendwo, die dich volltrunkenen Depp eigentlich nach Hause führen sollte. Du hast ihn daraufhin einen "wirklich lieben Kerl" genannt, wie schon so viele Leute vor und nach dir. Léon ist nicht der Typ, der dich aus heiterem Himmel anruft und dich zu irgendeiner wahnwitzigen Aktion zu überreden (obwohl er eine seltsame Schwäche für wahnwitzige Wetten zu haben scheint), er ist mehr die Konstante in deinem Leben, die Schulter zum Anlehnen, die du brauchst, wenn alle anderen mal wieder zu beschäftigt sind mit ihrem eigenen Scheiß. Und naja, irgendwann nimmt man die Sache mit dem "lieben Kerl" dann nicht mehr nur zähneknirschend hin, sondern akzeptiert es. Hat ja auch nicht nur schlechte Seiten derjenige zu sein, der auch die andere Wange hinhält.
28 Jahre alt
1,86m groß (schlank)
Moderator/Musikjournalist
Franco, James
Gespielt von Natascha




I struck a match and blew your mind

   Maëlys Bernard   Léon Lazard
am 12.02.2021

Eine aufgebrachte Maëlys stiefelt nachts ohne Handyakku orientierungslos durch ihr Wohnviertel - und trifft dabei auf Léon.


"Oh I'm just a kid, I never use my brain, I only use my heart and my imagination" tönte Nick Rattigans Stimme von Current Joys in ihrer angenehmen Trägheit durch die im Halbdunkel liegende offene Wohnküche und Léon summte hier und da mit, während einer seiner Füße im Takt wippte. Um 2:37 Uhr morgens war das die Art von Musik, die angenehm leise aus einem Bluetooth Lautsprecher hallen und sich dabei genau in die Atmosphäre des seltsamen Zustands zwischen halb wach und halb schläfrig schmiegen konnte. Musik zum in die Mikrowelle starren und die gebratenen Nudeln beim Fertigwerden beobachten. Musik, zu der man sich in den Rahmen der Balkontür lehnte und noch eine letzte Zigarette rauchte - und abgesehen von dem leisen Klang der Musik hinter einem, waren das Klicken des Feuerzeugs und das langsame Ausatmen des Qualms die einzigen Dinge, die man hören konnte. Ungefähr so lautete der Plan für die nächste halbe Stunde.
Eigentlich war er ziemlich wach dafür, dass er letzte Nacht kaum geschlafen hatte, ging es ihm noch zeitgleich mit dem hellen Pling durch den Kopf, das diese Woche schon viel zu oft seine Essenszeit angekündigt hatte. Ähnlich wie der Ton, mit dem ein verwirrender Nachrichtenverlauf mit seiner Ex entstanden war. Fabienne stand in seinem Whatsapp nun an zweiter Stelle, gleich unter Adrién. Während er den Teller mit den aufgewärmten Bratnudeln in der einen Hand balancierend, aufs Sofa zuging, schwebte sein Daumen, wie so oft in letzter Zeit, über ihrem Namen. Direkt daneben das krumme Selfie mit ihrem Hund, das bis vor Kurzem noch ein Selfie mit ihrer letzten kurzweiligen Beziehung Fickfreundschaft gewesen war. Aber sein Daumen berührte das Display nicht. Auf ihr simples "Okay." von heute Morgen gab es auch einfach nicht viel zu erwidern.

Innerhalb des nächsten Sekundenbruchteils schlitterte ihm der Teller einfach aus der Hand, landete unglücklich auf dem Sofa und kam dann scheppernd auf dem Boden davor auf. Kaum so laut allerdings wie das ohrenbetäubende Kreischen einer Katze (vermutlich seiner Katze?), das dem vorausgegangen war und ihn so dermaßen zusammenzucken ließ. Besonders viel Zeit das Nudel-Armageddon auf seiner Couch zu betrachten, blieb nicht. Mit dem darauf folgenden lauten Fluchen einer weiblich klingenden Stimme, schnellte Léons Blick vom Teller zurück zur Balkontür. „Was…?“ Die Stimme war zu nah, um von irgendwo aus dem Garten zu kommen und erst recht kam sie nicht von der Straße.
Ein paar eilige Schritte später stand er an der Tür und riss sie aus einem Reflex heraus auf, obwohl sein Ausdruck sich immer noch nicht so recht zwischen neugierig, misstrauisch und verstört entscheiden wollte. „Äh…“ Auf Yoko Onos schmaler Treppe stand eine Frau. Und schaute ihn an. Und er schaute zurück. In dem schwachen Lichtschein, der ihr Gesicht gerade genug erhellte, um zu erkennen, dass ihr wie auch immer gearteter Plan nicht aufgegangen war, blieb erstmal unklar, ob sie betrunken war, Hilfe brauchte oder sich nur mit dem Balkon vertan hatte. „Falscher Balkon?!“ hörte Léon sich daher leicht perplex mutmaßen und fügte mit einem Kopfschütteln noch schnell ein „Kann man dir helfen?“ hinzu. Zwischen die Balkontür und ihn hätte kein Blatt Papier gepasst. Nicht einmal die arme Yoko Ono, die jetzt vermutlich erstmal über alle Berge war.

[Bild: leonsiggreen5ijd1.png]
Es gibt viele verschiedene Bezeichnungen, mit denen Maëlys sich beschreiben lässt: Sonnenkind, Lieferdienst-Abonnentin, schlechte Tochter, Im-Regen-Tänzerin, [...] - doch keine scheint dem dunkelhaarigen Wirbelsturm gerecht zu werden, der seit nunmehr 25 Jahren das Leben derer unsicher macht, mit denen sie sich umgibt. Maëlys kann man nicht lieben, ohne sich gleichzeitig dauerhaft um sie und ihren Lebensstil zu sorgen - und gleichzeitig kann man sie nicht hassen, ohne dabei gleichzeitig doch ein Bisschen wie sie sein zu wollen. Scheinbar unbesorgt tänzelt Maëlys über ein Minenfeld aus Verpflichtungen und Ansprüchen, Unsicherheiten und Ängsten. Irgendwo dazwischen der bittere Beigeschmack dessen, was sich ein verantwortungsbewusstes Leben nennt. Die Lösung? Lachen, Tanzen, Menschen um sich herum ansammeln, die ähnlich orientierungslos sind; Menschen, denen man die Version von sich selbst verkaufen kann, die einem am Besten gefällt. Die beste Version von Maëlys? Wenn man sie fragt, ist es nicht die, die bei den kleinsten Unsicherheiten in Tränen auszubrechen droht, die lieber von der Oberfläche verschwindet, wenn die Dinge zu ernst werden. Sondern die, die schon irgendwie alles hinbekommt. Die, die nicht den Großteil ihres Einkommens für Zigaretten, Alkohol, Gras und ranzige Pastagerichte ausgibt. Sondern die, die sich an die Ratschläge hält, die sie selbst verteilt. Die nicht nur preached, sondern auch practiced. Die regelmäßig ihre Therapiesitzungen besucht und in ernsten Gesprächen nicht früher oder später darauf ausweicht, Songtexte zu zitieren, weil es zu anstrengend ist, sich selbst zu reflektieren. Nein: Maëlys hat keine Probleme. Jedenfalls nicht solche, die nicht durch ein selbstüberzeugendes Lächeln und einen guten Song wieder verschwinden würden... nein, wirklich nicht.
28 Jahre alt
1,56m groß (zierlich)
Audio Engineer
Gomez, Selena
Gespielt von Jule




I struck a match and blew your mind

   Maëlys Bernard   Léon Lazard
am 12.02.2021

Eine aufgebrachte Maëlys stiefelt nachts ohne Handyakku orientierungslos durch ihr Wohnviertel - und trifft dabei auf Léon.


Ihr Leben sah wohl nicht so recht ein, sich erbarmen zu wollen.
Keine Ahnung, was Maëlys verbrochen hatte, um es zu verdienen nach einem Arbeitstag in Überlänge auch noch in einen handfesten Streit mit ihrem besten Freund zu geraten. Und noch weniger Ahnung hatte sie im Hinblick auf die vergangenen Sekunden, die genauso gut Millisekunden hätten sein können: seltsame Pläne, die sich in ihrem Kopf gebildet hatten, die dazu führten, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren und sich irgendwo vermutlich den Kopf angeschlagen hätte, hätte sie nicht im letzten Moment nach dem kalten Balkongeländer greifen können. Irgendwo zwischen Schuldgefühl und dem Bewusstsein, mal wieder voll verkackt zu haben, versuchte Maëlys nun, ihre Balance wiederzuerlangen und musste sich eingestehen, dass der Plan spätestens dann scheiterte, als die Balkontür aufschnellte.

Zack, der nächste kleine Schock: Mai musste sich nur noch fester an dem Geländer festhalten, um dem inneren Drang, einfach die Flucht einzuschlagen, zu widerstehen. Keinen Bock, dass jetzt jemand die Polizei rief.
Jemand war in diesem Fall ein Kerl, den Maëlys nicht so recht erkennen konnte, weil das Licht hinter ihm ziemlich heftig blendete und seinen Gesichtsausdruck im Schatten der Nacht stehen ließ. Die Dunkelhaarige formte die Augen zu Schlitzen. Dann zog sie sich mit einem Handgriff von den kleinen Stufen hin auf den Balkon, stand endlich auf zwei sicheren Beinen und steckte die Zigarette von der rechten Hand zwischen ihre Lippen, um sich erst einmal durch das durch den anstrengenden Tag in Anspruch genommene, dunkelbraune Haar zu fahren. Ja, Ähh - war wohl der richtige Ausdruck für alles, was man in diesem Moment hätte sagen können. Deswegen stand Mai auch nur einen Augenblick da und suchte eine Erklärung, während im Hintergrund Musik trällerte. Sie kannte den Song.
Aber den Moment, jetzt ne Konversation an den Start zu bringen, hatte sie wohl verpasst.
Oder genauer: der Moment hatte sie verpasst. Oder einfach so hinter sich gelassen.

Sorry? am Ende erhob sich ihre Stimme und ließ die kurze Aussage wie eine Frage klingen ... ja, keine Ahnung, was man in so 'nem Moment eigentlich sagte, vermutlich sollte sie sich umdrehen und einfach wieder gehen, aber das wäre wohl seltsam. Noch seltsamer als diese komplette Diskussion. Ähh, ruf' bitte nicht die Polizei, beschwichtigte sie den Typen, der jetzt nicht unbedingt komplett wütend oder aufgelöst wirkte, und im nächsten Moment entließ sie eine Rauchwolke durch ihre Lippen hinaus in die eiskalte Februarnacht. Ja - ja! Kann man. Keine Ahnung, ob die Frage ernst gemeint war. Maëlys erinnerte sich jedenfalls just in diesem Moment daran, weshalb genau sie ihre Füße eigentlich an diesen ungewöhnlichen Ort getragen hatten.
Mein Akku ist leer. Und ich hab mich verlaufen, begann sie zwischen den letzten Zügen an der Zigarette zu erzählen,
dann hab' ich gesehen, dass hier noch Licht an ist und mich gefragt, wer hier bitte noch an einem Wochentag um diese Uhrzeit wach ist. Ja, nein, eigentlich hatte sie ja nach jemandem gesucht, er ihr weiterhelfen würde ... dachte sie, aber vermutlich hatte doch einfach die Neugier den natürlichen Überlebensdrang mal wieder übertönt. also hauptsächlich bräuchte ich irgendwie ein Handy oder ein Ladekabel. Hast du ein iPhone?

Léons Gesicht mag dir nicht unbedingt bekannt vorkommen, aber seine angenehme Stimme wird dich vermutlich schon durch ein paar Abende oder einsame Nächte begleitet haben - vorausgesetzt du gehörst zu den Menschen, die hin und wieder mal das Radio einschalten. Vielleicht bist du auch eine der 'einsamen Seelen', die ihm in seiner Late-night-call-in Show ihr Herz ausgeschüttet oder einfach Trost in der Illusion gefunden hat, dass eine Stimme aus dem Radio in der Anonymität und Intimität der Nachtstunden nur zu dir zu sprechen scheint. Und vielleicht bist du etwas überrascht, wenn du ihn zum ersten Mal triffst - darüber, dass er kein sogenanntes "Radiogesicht" hat und darüber, dass er dir nicht mehr scheinbar mühelos einen vom Pferd erzählt. Léon kann gegen seine "On Air"-Persona geradezu still wirken. Nicht auf die distanzierte Art, eher auf die, bei der du dich gerne mal dabei erwischt, dass du ihm mal eben ganz wie von selbst deine halbe Lebensgeschichte erzählt hast. Immerhin besser, als ihm fast mitfühlend eine Hand auf die Schulter zu legen und ihm damit einen kleinen, metaphorischen Schubs in Richtung 'friendzone' zu geben. Oder ihn um halb vier Uhr morgens anzurufen, weil du wusstest, dass er dich schon abholen wird - von der Landstraße im Nirgendwo, die dich volltrunkenen Depp eigentlich nach Hause führen sollte. Du hast ihn daraufhin einen "wirklich lieben Kerl" genannt, wie schon so viele Leute vor und nach dir. Léon ist nicht der Typ, der dich aus heiterem Himmel anruft und dich zu irgendeiner wahnwitzigen Aktion zu überreden (obwohl er eine seltsame Schwäche für wahnwitzige Wetten zu haben scheint), er ist mehr die Konstante in deinem Leben, die Schulter zum Anlehnen, die du brauchst, wenn alle anderen mal wieder zu beschäftigt sind mit ihrem eigenen Scheiß. Und naja, irgendwann nimmt man die Sache mit dem "lieben Kerl" dann nicht mehr nur zähneknirschend hin, sondern akzeptiert es. Hat ja auch nicht nur schlechte Seiten derjenige zu sein, der auch die andere Wange hinhält.
28 Jahre alt
1,86m groß (schlank)
Moderator/Musikjournalist
Franco, James
Gespielt von Natascha




I struck a match and blew your mind

   Maëlys Bernard   Léon Lazard
am 12.02.2021

Eine aufgebrachte Maëlys stiefelt nachts ohne Handyakku orientierungslos durch ihr Wohnviertel - und trifft dabei auf Léon.


Es hatte diese paar Sekunden des gegenseitigen Anstarrens gebraucht, um die Gewissheit in Léons Kopf sickern zu lassen, dass das hier eine der seltsamsten Begegnungen war, die er je gemacht hatte. Wenn nicht sogar die seltsamste. Und die Frage, ob er ihr helfen konnte, war ihm so ganz automatisch über die Lippen gekommen. Aber eigentlich schon so vor dem Hintergrund, dass man echt verzweifelt sein musste, wenn man nachts auf einen fremden Balkon kletterte. Oder man hatte sich eben verlaufen. Ah. In Calais!? wäre es ihm fast noch rausgerutscht, aber vielleicht kam sie nicht von hier. Du weißt aber schon, dass das sehr nach so 'nem Satz klingt, den jemand sagt, kurz bevor man dann doch die Polizei rufen muss? Die Absurdität dieser ganzen Situation brachte Léon kurz zum Lachen.

Aber die Ruhe, sich die Zigarette zwischen den Lippen anzustecken und dran zu ziehen, hatte sie noch. Wo kommst du denn her? Um nicht die Suggestivfrage zu stellen, wo sie denn wohnte. In welcher… Einrichtung. Léons Blick folgte kurz dem davon schwebenden Qualm und richtete sich dann wieder auf sein Gegenüber. Die am Rahmen der Balkontür liegende Hand war noch immer bereit, sie schnell wieder zuzuschlagen, lockerte sich allmählich aber, genauso wie seine Körperhaltung. In der anderen hielt er noch sein Handy, hob es kurz und nickte. Etwas, das sie im Gegenlicht vermutlich nur schwer erkennen konnte. Ja, hab ich. Aber... Ein schneller Blick zurück in die Wohnung, der dabei unweigerlich auch aufs verschüttete Essen traf. Was für eine verdammte Sauerei. Du kannst sonst auch eben meins haben, wenn du jemanden dringend anrufen musst oder so. Zögern. Schweigen. Er regte sich noch immer nicht so wirklich, sah stattdessen dabei zu wie sein Atem kleine Wölkchen vorm Gesicht bildete. Und dann gab er sich doch einen Ruck und machte einen Schritt zur Seite. Es war schweinekalt und es mochte sein, dass das jetzt ein etwas leichtfertiger move war, aber er war nunmal kein Unmensch. Ach, was soll's. Komm eben rein.

[Bild: leonsiggreen5ijd1.png]
Es gibt viele verschiedene Bezeichnungen, mit denen Maëlys sich beschreiben lässt: Sonnenkind, Lieferdienst-Abonnentin, schlechte Tochter, Im-Regen-Tänzerin, [...] - doch keine scheint dem dunkelhaarigen Wirbelsturm gerecht zu werden, der seit nunmehr 25 Jahren das Leben derer unsicher macht, mit denen sie sich umgibt. Maëlys kann man nicht lieben, ohne sich gleichzeitig dauerhaft um sie und ihren Lebensstil zu sorgen - und gleichzeitig kann man sie nicht hassen, ohne dabei gleichzeitig doch ein Bisschen wie sie sein zu wollen. Scheinbar unbesorgt tänzelt Maëlys über ein Minenfeld aus Verpflichtungen und Ansprüchen, Unsicherheiten und Ängsten. Irgendwo dazwischen der bittere Beigeschmack dessen, was sich ein verantwortungsbewusstes Leben nennt. Die Lösung? Lachen, Tanzen, Menschen um sich herum ansammeln, die ähnlich orientierungslos sind; Menschen, denen man die Version von sich selbst verkaufen kann, die einem am Besten gefällt. Die beste Version von Maëlys? Wenn man sie fragt, ist es nicht die, die bei den kleinsten Unsicherheiten in Tränen auszubrechen droht, die lieber von der Oberfläche verschwindet, wenn die Dinge zu ernst werden. Sondern die, die schon irgendwie alles hinbekommt. Die, die nicht den Großteil ihres Einkommens für Zigaretten, Alkohol, Gras und ranzige Pastagerichte ausgibt. Sondern die, die sich an die Ratschläge hält, die sie selbst verteilt. Die nicht nur preached, sondern auch practiced. Die regelmäßig ihre Therapiesitzungen besucht und in ernsten Gesprächen nicht früher oder später darauf ausweicht, Songtexte zu zitieren, weil es zu anstrengend ist, sich selbst zu reflektieren. Nein: Maëlys hat keine Probleme. Jedenfalls nicht solche, die nicht durch ein selbstüberzeugendes Lächeln und einen guten Song wieder verschwinden würden... nein, wirklich nicht.
28 Jahre alt
1,56m groß (zierlich)
Audio Engineer
Gomez, Selena
Gespielt von Jule




I struck a match and blew your mind

   Maëlys Bernard   Léon Lazard
am 12.02.2021

Eine aufgebrachte Maëlys stiefelt nachts ohne Handyakku orientierungslos durch ihr Wohnviertel - und trifft dabei auf Léon.


”Hm.”, antwortete Maëlys nur. Ein hm, das Alles oder Nichts, aber eher nichts bedeutete, wie sie da so am Balkongeländer stand und mit einem ebenso nichtssagenden Lächeln einen Augenblick lang schwieg. Dann hob sie defensiv die Hände und legte die Stirn nachdenklich in Falten. ”Du kannst auch die Polizei rufen.”, schlug sie vor, denn sie hatte sich ja ohnehin nichts zu Schulden kommen lassen, außer … war ein ungebetener Besuch auf dem Balkon schon Hausfriedensbruch? ”Aber mir fällt spontan eh keine Situation ein, wo die jemals wirklich hilfreich war, also...” Maëlys zuckte mit den Schultern und ihre Hände verschwanden wieder in den Hosentaschen. ”Sorry, ich hoffe, du bist kein Polizist oder so. Ich wollt’ jetzt deine Gefühle nicht verletzen und so weiter..” Wäre er tatsächlich Polizist, wäre es ihr eventuell auch vollkommen egal gewesen. Irgendwo in ihrem Hinterkopf klopfte zaghaft eine Spur von Müdigkeit an, immerhin war sie selbst auch den ganzen Tag auf den Beinen gewesen, und eigentlich wollte sie wirklich nur dringend kurz ihr Handy aufladen, damit sie den Weg nach Hause zurückfand.

”Schon irgendwo hier aus der Ecke.”, kam sie her, ”aber ich bin mit ‘n paar Leuten um die Häuser gezogen und tja, irgendwo da hab’ ich mich dann wohl verloren.” Und dann hatte sie ihre letzten Prozente Akkuladung dafür benutzt, ihrem besten Freund zu sagen, dass er sich ficken sollte, anstatt was sinnvolles zu tun. Typisch Maëlys.
Ihre magere Erklärung musste wohl überzeugt haben, oder die Tatsache, dass sie eine “junge Frau in Nöten” war, jedenfalls wich der Dunkelhaarige ein Stück zur Seite und plante, Maëlys tatsächlich in seine Wohnung zu lassen. Jetzt war sie es, die etwas misstrauisch direkt in sein Gesicht schaute, denn sie fragte sich, ob er entweder einfach nur zu freundlich, ziemlich blöd oder ein gewalttätiger Irrer war. ”Hm.”, antwortete sie wieder, nahm dann einen letzten Zug ihrer Zigarette und drückte sie auf dem Aschenbecher des Balkontisch aus. ”Auch Raucher?”, fragte sie, ”oder nur viel Besuch?”, bevor sie eintrat.

Kurz nach der Türschwelle blieb sie stehen, drehte sich um zu ihrem Retter in der Not, und wie hinter dem halb zugezogenen Vorhang ihrer eigenen, dunkelbraunen Haare, sagte sie über ihre Schulter hinweg: ”Hi.” - ”Ich bin übrigens Maëlys.” - ”Danke für die Rettung.”




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